Psalm 23, Vers 1

Eine meiner ersten Predigten hielt ich zum Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Seither haben mich diese Worte immer wieder durchs Leben begleitet.

Der Psalm 23 startet mit den Worten: „Der Herr…“

Damit wird ausgedrückt, dass da einer ist, der die Kontrolle hat. Der Schöpfer des Universums. Der unbewegte Beweger. Ohne Anfang und ohne Ende. Der alles, was ist, ins Dasein ruft. Gott. Er ist da.

Wenn da ein Gott ist, was für einer ist er? Ein zorniger, ein liebender, ein ängstlicher oder ein unbeteiligter. Wer kann das sagen? Was können wir Menschen überhaupt über Gott sagen?

…ist mein Hirte

Das ist die entscheidende Information. Ein guter Hirte, kennt seine Schafe, weiss um ihre Eigenheiten und besonderen Bedürfnisse und würde sein Leben geben um sie zu schützen. Gott ist eben kein unpersönliches „Irgendwas“ im fernen All. Nein, er ist der gute Hirte, der mich ganz genau kennt, meine Eigenheiten und Bedürfnisse. Und er ist der gute Hirte, dem ich so wichtig bin, dass er alles für mich tun würde. Echt? Ja – in Johannes 10.11. sagt Jesus: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe.“

mir wird nichts mangeln

stehen diese Worte aus Psalm 23 nicht im krassen Widerspruch zur täglichen Not in der Welt? Ist das nicht ein Hohn auf alle, die Hunger haben und in so vielen Bereichen Mangel leiden?

Fakt ist, dass die Erde genügend Nahrung hervorbringt um ein mehrfaches der heutigen Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren. Gott würde genug für alle wachsen lassen. Es müsste niemand Mangel leiden!

Ich sehe das Problem an anderer Stelle. Wenn Gott der gute Hirte ist, wie es im Psalm 23 bildhaft beschrieben ist, dann müsste dieser Hirte uns Menschen doch dabei helfen, so zusammenzuleben, dass niemand Hunger hat? Ich glaube, dass er das tut. Nehmen wir zum Beispiel zwei der zehn Gebote: Du sollst nicht stehlen, du sollst nicht töten (2. Mose 20).

Du sollst nicht stehlen: Stell dir Regierungen vor, die nicht korrupt sind. Die haushalterisch mit ihren Ressourcen umgehen und nicht mehr in die eigene Tasche stecken, als ihnen zusteht.

Du sollst nicht töten: Stell dir eine Welt ohne Bürgerkriege und blutige Machtkämpfe vor.

Die Frage nach dem Mangel und der Not in der Welt, hängt mit der Frage nach den Normen und Werten unter uns Menschen zusammen. Würden wir die zehn Gebote achten – ich glaube da wäre viel weniger Mangel und Not unter uns.

Nebst dem Hunger gibt es auch noch andere Bereiche, in denen wir Mangel leiden können:

Was ist dein grösster Mangel?

Es gibt eine Menge Dinge von denen man zu wenig haben kann:

– Liebe

– Wertschätzung

– Befriedigende Arbeit

– Finanzielle Sicherheit

– Gesundheit

– Freunde

– Haare

– Gute Gespräche

– Zeit

– Sonne

– Ferien

– …

Auch dem, der alles hat, fehlt immer noch etwas. Augustin, ein Christ aus dem 4. Jahrhundert, gehörte zu denen, die fast alles hatten. Gute Stellung, gesicherte Zukunft, Einfluss, Beziehungen und Anerkennung. Trotzdem schreibt er: „Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in dir, o Gott.“

Ich glaube, dass jeder Mensch in sich drin ein Loch hat. Die Sehnsucht nach Frieden mit Gott. Dieses Loch versuchen wir nun zu füllen – manchmal mit Geld, Macht oder Sex. Diese Dinge sind nicht schlecht, aber sie taugen nicht, um das Loch befriedigend zu füllen. Die ewige Sehnsucht lässt sich nicht mit vergänglichem Krimskrams stillen.

Darum geht es bei der Frage nach dem Mangel in unserem Leben nicht nur um materielle Dinge, sondern auch um die Beziehung mit Gott. Dein grösster Mangel wird erst dann gestillt sein, wenn „Der Herr ist mein Hirte“ erlebte Realität in deinem Leben ist.

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Hier gehts zur Übersicht über den Psalm 23

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Bild: Joachim S. Müller

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