Psalm 112, Vers 1

Hallo-luja!

Der Vorhang des Theaters geht auf. Vor dem hellblauen Hintergrund sind weisse Wolken aus Karton aufgebaut. Auf einer Wolke sitzt ein dicker Schauspieler als Engel verkleidet. Neben ihm ein Telefon, das zu klingeln beginnt. Der fette Engel nimmt ab, und sagt: „Hallo-luja?“

Der Psalm 112, über den ich in dieser Kategorie schreiben werde, beginnt ähnlich, wie dieses Theaterstück mit Jörg Schneider. Das erste Wort ist ein Halleluja! Dieses Wort soll bei uns Lesern etwas auslösen: Freude, Lust, Energie und Glück.

Eigenartig finde ich, dass wir beim Komiker herzhaft lachen, wenn er Hallo-luja sagt, aber in der Kirche ernsthaft verstummen, wenn wir Halleluja hören. Halleluja ist ein Freudenschrei! Und dazu soll gelacht, gejubelt und vielleicht sogar getanzt werden.

„Glücklich ist,…“ so gehts weiter im Text des Psalms 112. Eine Anleitung zum Glück! Wow, darauf habe ich gewartet!

Ich habe da ein paar Ideen, was mich glücklich macht: Cruisen in einem Cabriolet, endlos warmes Wetter, saftiges Fleisch und dass die Koreanerinnen die Frauenfussballweltmeisterschaft gewinnen!

„…wer dem Herrn in Ehrfurcht begegnet…“ so beschreibt der Autor von Psalm 112 sein wahres Glück. Hat jemand von euch eine Idee, was das bedeutet? Was soll das für ein Glück sein?

Ehrfurcht vor Gott?

Wenn mich ein bissiger Hund mit fletschenden Zähnen anbellt, dann habe ich Angst und keine Ehrfurcht. Ehrfurcht vor Gott hat nichts mit Angst vor Bissen oder Strafe zu tun. Womit denn sonst?

Am Besten gefällt mir das Beispiel von einem 18jährigen Sohn, der gerade seine Führerprüfung bestanden hat, und glücklich nach Hause kommt. Sein Vater gratuliert ihm, drückt ihm den Schlüssel seines 7er BMWs in die Hand und sagt: „Junge, jetzt darfst du zum ersten Mal alleine ausfahren. Schau, dass er morgen um 06.30 wieder in der Garage steht, ich brauche ihn, um zur Arbeit zu fahren.“

Ich stelle mir den Sohn vor, wie er das Garagentor öffnet und rückwärts auf den Vorplatz fährt: Ganz langsam, vorsichtig – um ja keinen Schaden anzurichten. Auf der Strasse wird er übervorsichtig sein und erst auf der Autobahn so richtig Gas geben. Er kennt den Wert des Vertrauens, das ihm sein Vater schenkt, und er setzt alles daran, es nicht zu verlieren.

Mit unserem Leben hat uns Gott etwas viel wertvolleres als einen 7er BMW geschenkt. Ehrfurcht vor Gott haben heisst, dass ich dieses riesige Geschenk wertschätze, ihm Sorge trage und es geniesse.

„Glücklich ist, wer … sich über seine Gebote freut!“ Psalm 112.1

Was sind denn Gebote Grund zur Freude und zum Glück? Erlebe ich nicht das Gegenteil, dass Gebote mich einschränken, meine Selbstverantwortung beschneiden und meistens nur lästig sind?

Es kommt darauf an, was das für Gebote sind. Der Psalmdichter meint hier die 10 Gebote, wie sie in 2. Mose 20 aufgeschrieben sind. Dort steht zum Beispiel „du sollst nicht töten“, „du sollst nicht die Ehe brechen“ und „du sollst nicht stehlen“.

Stell dir eine Welt vor, in der nur diese drei ernst genommen würden. Ich bin sicher, die Erde wäre ein glücklicherer Planet.

Staubige Gebote?

Gebote sind doch eine trockene Sache. Höchstens schrullige Professoren können daran Freude haben. War der Dichter von Psalm 112 ein staubiger Rechtsgelehrter?

In der Bibel finden wir die 10 Gebote nicht als trockener Gesetzestext im Juristendeutsch, sondern inmitten der phantastischen Geschichte der Israeliten. Da ist die Vergangenheit mit der Sklaverei in Aegypten. Die Gegenwart mit der anforderungsreichen Wüstenwanderung. Und die Zukunft mit dem Land in dem Milch und Honig fliessen. Alles in allem ein spannendes Abenteuer.

Die Gebote, von denen wir im Psalm 112 lesen, sind eingebettet in eine grosse Geschichte voller Leben – alles andere als staubig.

Der erste Vers des 112. Psalms spricht von einer ungetrübten Gottesbeziehung. Ein Mensch, der mit Gott im reinen ist, der ihm vertraut und sich an ihm freut. Ich glaube dass dieser Einstiegsvers der Schlüssel zum Verständnis des ganzen Psalms darstellt. Zuerst muss die Beziehung zu Gott geklärt werden.

Als Symbol für eine geklärte Gottesbeziehung dient dieses Glas:

Es ist ganz klar, und rein. So hat Gott uns Menschen geschaffen gut und ungetrübt.

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