Freundschaft mit Gott

Gestern Sonntag predigte ich darüber, dass am Ziel unseres Lebens Gott steht. Paulus spricht davon, wenn er in 1. Korinther 13.12 schreibt: „Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen.“

Meine eigene Predigt brachte mich ins Nachdenken. Wie werde ich mich fühlen, wenn ich Gott direkt in die Augen schaue?
Habe ich Angst vor Gott?
Schäme ich mich, weil ich weiss, dass er zuviel über mich weiss?
Bin ich nervös, weil ich weiss, dass ich noch dieses oder jenes zu erledigen gehabt hätte?
Bin ich ganz cool und sage: „Hallo Gott!“

In den Beiträgen dieser Kategorie soll es um meine Beziehung zu Gott gehen. Ich will darüber nachdenken, wie das funktioniert: Eine Freundschaft mit Gott.

The Beach Boys

Wasser, Sand und glitzerndes Sonnenfunkeln über den Wellenspitzen. Es ist ein Traumstrand, an dem eine der grossartigsten Freundschaftsgeschichten der Bibel beginnt.

Junge Leute mit Fischerbooten. Würden sie heute leben, hätten sie sicher auch Surfbretter. Simon ist einer von ihnen, ein Draufgänger. Jesus trifft Simon am Strand. Die beiden werden Freunde.

Was macht diese Freundschaft aus? Was brachte Simon dazu, nach der Begegnung mit Jesus sein Fischerboot zu verlassen um mit ihm in der Gegend herumzuziehen?

Als sie sich zum ersten Mal begegneten, war Simon am Flicken der Netze. Er hatte nichts gefangen und war enttäuscht. Sein Leben war bis zu diesem Tag überhaupt nicht spektakulär.

Da steigt Jesus in sein Boot, benutzt es als Rednerpult. Die Leute kommen in die Nähe und hören Jesus gespannt zu.

Simons Boot wird zur Bühne, er wird Teil einer grossen Sache.

Wer wünscht sich das nicht, dass das Fischerboot seines Lebens plötzlich spannend und wichtig wird?

Jesus predigt vom Boot des Simon zu den Menschen. Simon sitzt im Boot. Als Jesus aufhört zu reden, sagt er zu Simon: „Fahr jetzt weiter hinaus auf den See; werft dort eure Netze zum Fang aus!“ (Lukas 5.4)

Normalerweise würde Simon das nie tun. Tagsüber sind die Fische im tieferen Wasser und gerade in der vorangehenden Nacht haben sie nicht einen einzigen Fisch gefangen.

Doch Simon spürte, dass bei Jesus mehr möglich ist. Er wagte das Unsinnige und fischte bei Tag: „Und sie fingen eine solche Menge Fische, dass ihre Netze zu reissen begannen.“ So in Lukas 5.6

An diesem Tag hat Simon eines begriffen:
Alles ist möglich.
Es gibt keine Grenzen.
Wo die menschlichen Möglichkeiten aufhören fängt es bei Gott erst richtig an!

Jesus war zu seiner Zeit ein Star. Wo er auch hinkam, sammelten sich Leute um ihn. Ich stelle mir das ähnlich vor wie den Rummel, den wir um Popstars veranstalten. Warteschlangen, Gedränge, Ellbogeneinsatz und haufenweise Kameras.

In Lukas 6.12 steht, was Jesus nach einem dieser turbulenten Tage gemacht hat: „In jener Zeit zog sich Jesus auf einen Berg zurück, um zu beten. Die ganze Nacht verbrachte er im Gebet. Als es Tag wurde rief er seine Jünger zu sich und wählte zwölf von ihnen aus, die er Apostel nannte. Es waren: Simon, dem er auch den Beinamen Petrus gab, dessen Bruder Andreas, Jakobus, Johannes, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Simon, den man den Zeloten nannte, Judas der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.“

Aus der grossen Menge wählt sich Jesus 12 besondere Freunde. Simon der Fischer kommt gleich an erster Stelle. Jesus nannte ihn oft auch Petrus. Jesus entschied sich dafür persönliche Beziehungen zu Menschen zu haben.

Gott will persönliche Beziehungen zu Menschen.
Gott will mit dir eine Freundschaft anfangen.
Gott kennt deinen Namen und ruft dich ganz persönlich!

Die zwölf engsten Freunde von Jesus fahren mit einem Schiff über den See Genezareth. Der See ist riesig und auf halber Strecke kommt ein Sturm. Hohe Wellen und starker Wind drohen das Schiff zu kentern. Alle haben Angst.

Plötzlich erscheint Jesus auf dem Wasser. Simon beginnt mit Jesus zu reden. Für ihn ist klar: Entweder kann der wirklich auf dem Wasser gehen, oder es ist alles ein Spuk. Simon sagt: „Herr, wenn du es wirklich bist, lass mich auf dem Wasser zu dir kommen.“ (Matthäus 14.28)

Simon stellt die entscheidende Frage: Entweder ist Jesus tatsächlich Gottes Sohn und mit ihm kann er sogar auf Wasser laufen. Oder alles ist ein Spuk und er muss schwimmen.

Die Antwort auf diese Frage ist ein Schritt aus dem Boot entfernt.
Wer Jesus ist, lässt sich nicht vom Boot aus klären, sondern nur mit dem ersten Schritt auf dem Wasser.

Von den 12 Personen im Boot hatte Simon als einziger den Mut diese Frage zu klären.

Wie sieht das bei dir aus?
Willst du weiter vom Boot aus diskutieren?
Oder willst du auf Wasser laufen?

Voll Vertrauen steigt Simon aus dem Boot. Das Wunder geschieht und das Wasser trägt. Er geht auf dem Wasser auf Jesus zu. Doch als er merkt, wie heftig der Sturm ist, bekommt er Angst und sinkt. In dem Moment schreit er zu Jesus um Hilfe. Jesus packt ihn an der Hand und sagt: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ (Matthäus 14.31)

Wenn ich meinen Glauben anschaue bin ich oft enttäuscht wie mickrig und schwach er ist. Ich habe keinen grossen Glauben.

Die Grundlage eines erfüllten Glaubenslebens ist auch nicht der starke Glaube. Wir sind doch alle kleingläubig – oder?

Entscheidend ist, wie gross der Gott ist, an den ich glaube. Dass wenn ich selber zum Glauben zu schwach bin, ich sicher weiss, dass da noch einer ist, der niemals schwach ist.

Was für Geschichten erzählst du, wenn du mit deinem besten Freund zusammensitzst?

Von der Autopanne auf der italienischen Autobahn?
Vom Stromausfall in der Berghütte?
Vom Gummiboot mit den vielen Löchern?

Ich kann mir gut vorstellen, dass Jesus und Simon einander immer wieder von ihrem Abenteuer auf dem See Genezareth erzählt haben. Starke gemeinsame Erlebnisse lassen eine Freundschaft wachsen.

Ich glaube, dass Jesus das mit Absicht macht. Er wollte mit Simon ein Abenteuer erleben. Er wollte etwas zu erzählen haben, wenn sie zusammen sind. Er wollte mit einem Menschen eine tiefe Freundschaft aufbauen.

Gott will mit jedem Menschen eine Freundschaft aufbauen.
Er will an unseren Abenteuern teilhaben und sie mit uns durchstehen.
Bist du bereit?

Wahre Freundschaft

Simon und Jesus sind im Garten Getsemane. Ein schöner Ort am Ende eines warmen Tages. Eigentlich die Zeit um Kerzen anzuzünden und friedlich ein bisschen Musik zu hören.

Plötzlich kommt ein Schlägertrupp mit Knüppeln und Schwertern. Sie wollen Jesus gefangen nehmen. Simon wehrt sich. Er hat ein Schwert dabei und eröffnet den Kampf. Blut fliesst. Ein Angreifer wird am Ohr verletzt.

Das ist doch wahre Freundschaft. Freunde die für einander durchs Feuer gehen. Die das eigene Leben für den anderen riskieren. So wie bei den drei Musketieren: „Einer für alle, alle für einen!“

Was sagt Jesus dazu?
„Steck dein Schwert zurück! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durchs Schwert umkommen.“ (Matthäus 26.52)

Ich möchte gerne ein Held sein. Einer, der In brennende Häuser rennt um bedrohte Kinder zu retten. Einer, der furchtlos und entschlossen die Welt vor dem Untergang rettet. Einer, auf den man zählen kann, wenns drauf ankommt.

Ich nehme an, dass Simon genauso dachte, als er folgendes zu seinem Freund Jesus sagte: „Ich bin jederzeit bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen und sogar für dich zu sterben.“

Was sagt Jesus dazu?
„Noch ehe morgen früh der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.“

(Beide Stellen sind nachzulesen in Lukas 22.33+34)

Simon wollte alles richtig machen. Er sah sich zum Helden berufen. Er wollte Jesus retten, oder wenigstens mit ihm zusammen sterben.

Und tatsächlich war er auch der mutigste von den Freunden von Jesus. Er wagte sich in den Hof, in dem Jesus verhört wurde. Alle anderen hatten sich versteckt, aber Simon traute sich ganz nahe an Jesus heran.

Plötzlich wird Simon erkannt: „Du bist doch auch einer von seinen Freunden!“ Die Situation wird heiss. Alle schauen auf Simon. Sagt er „Ja“, droht im die sofortige Verhaftung. Simon reagiert so, wie ich es auch getan hätte. Er rettet seine Haut und sagt. „Nein ich kenne den nicht.“

In dem Moment schaut Jesus Simon direkt in die Augen. Simon realisiert, dass er soeben seinen besten Freund verraten hat. Was darauf folgt, beschreibt Lukas in einem Satz: „Und er ging hinaus und weinte in bitterer Verzweiflung.“ (Lukas 22.62)

Wir sind keine Helden. Auch ich bin kein Superman. Mir fehlt das Zeug zum Retter der Welt.

Was Simon hier mit seinem Freund Jesus erlebt, ist ein wesentlicher Teil der christlichen Glaubenserfahrung. Nämlich die Erkenntnis, dass in meinem Herzen auch ein Schatten wohnt. Eine Finsternis, die mich davon trennt, das zu sein wofür ich gemacht wurde.

Simon hat dem Druck nicht standgehalten. Er hat seinen Freund im Stich gelassen. Jesus wurde zu Tode gefoltert und in einem Grab beigesetzt.

Das Abenteuer ist vorbei, der Traum geplatzt. Simon sagt: „Ich gehe jetzt fischen!“ ( Johannes 21.3) Für mich ist das ein trauriger Satz. Noch vor ein paar Tagen waren Jesus und seine Freunde das Stadtgespräch in Jerusalem, alles schien möglich. Manche träumten sogar davon, die römischen Besatzungstruppen zu vertreiben.

Simon geht zurück zu seinem alten Handwerk, zum Ufer des Sees, wo ihm Jesus zum ersten Mal begegnet war. Als er in das Boot steigt, ist alles wieder wie früher. Als hätte das Abenteuer nie stattgefunden, als wäre es ein schöner Traum gewesen, der leider vorbei ist.

Kennst du Simons Gedanken?

– Für mich hat das Leben nichts mehr bereit.
– Es bringt ja doch nichts.
– Ich habe nie Glück.

Der letzte Beitrag rief in mir eine Geschichte wach, die ich vor langer Zeit mal gehört habe. Ich erinnere mich nur noch vage:

Es ging darum, dass zwei von der Erde aus den Mond betrachten. Der eine vertritt die Meinung, dass dieses hell leuchtende Dinge eine wunderbare Oberfläche aus Gold haben muss. Der andere kann das nicht glauben. Sie beschliessen zum Mond hinaufzufliegen. Als sie dort ankommen ist der erste enttäuscht: „Alles nur Wüste…“ Der andere hat Recht behalten und wurde wenigstens nicht enttäuscht.

Vielleicht ist es Simon so gegangen. Ein Leben mit Jesus schien ihm wie ein schillernder Planet. Aber am Ende ist nichts mehr als eine staubige Wüste übriggeblieben. Besser gar nie hoffen, als so enttäuscht zu werden.

Besser gar nie Glauben, als enttäuscht zu werden?

Simon fischt die ganze Nacht durch. Er fängt keinen einzigen Fisch. Das auch noch. Nach der Enttäuschung mit Jesus, funktionierts nicht einmal mehr mit dem Fischen.

Als es dann Tag wird, und die Fischer zurück an den Strand kommen, steht Jesus da. Zuerst erkennt ihn Simon gar nicht. Er erwartet gar nicht, dass ihre Freundschaft weitergeht. Schliesslich war er es ja, der seinen besten Freund im Stich gelassen hatte.

Jesus stellt Simon eine Frage.

Welche Frage hättest du an seiner Stelle gestellt?
– Warum hast du mich im Stich gelassen?
– Wo war dein Mut?
– Wie willst du das wieder gut machen?

Jesus stellt keine solchen Fragen. In Johannes 21.17 steht, was Jesus Simon gefragt hat:

„Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“

Judas und Simon haben eine Gemeinsamkeit: Beide haben Jesus enttäuscht.

Ihre Reaktion ist unterschiedlich.
Judas bringt sich in seiner Verzweiflung um.
Simon rennt Jesus entgegen und lässt sich verzeihen.

Jesus vergibt Simon gerne. Ich glaube, er hätte auch Judas gerne vergeben. Jeder verdient eine zweite Chance.

Die Frage ist nicht, ob ich eine zweite Chance habe.

Die Frage ist, ob ich sie annehme!

Dass die Freundschaft zwischen Jesus und Simon auch nach dem Bruch weitergeht, hat mit dem zu tun, was an Karfreitag und Ostern passiert ist.

Karfreitag heisst: „Denn der Sünde Sold ist der Tod…“ Ostern hingegen: „…die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben.“ Römerbrief 6.23

Karfreitag steht für: Fehler, Versagen, Verzweiflung, Schuld, Finsternis und Tod.

Ostern hingegen für: Auferstehung, die zweite Chance, Vergebung, Neuanfang, Licht und Leben.

Simon hat erfahren, dass nach Karfreitag Ostern kommt. Nach dem Kreuz die Auferstehung. Nach dem Versagen, die zweite Chance.

Simon hat etwas Entscheidendes gelernt:
Umfallen ist menschlich, Liegenbleiben ist teuflisch und Aufstehen ist göttlich.

Die Bibel beschreibt die Freundschaft von Jesus und Simon ausführlich. Mit allen Hochs und Tiefs. In dieser Kategorie „Freundschaft mit Gott“ habe ich nur einige Stellen erwähnt, es gibt noch deutlich mehr über die beiden zu erfahren.

Warum ist das so?
Warum so ausführlich? Warum so viele Seiten? Hätte man den Platz in der Bibel nicht besser für die Erläuterung wichtiger theologischer Fragen nutzen können? Zum Beispiel wie das genau mit der Taufe funktionieren soll. Oder was für Musik in Gottesdiensten angebracht ist. Oder welche Organisationsform von Kirche am effizientesten ist.

Ich glaube dass Gott uns damit eine ganze Menge sagen will:
– Simon ist wichtiger als die Theologie.
– Beziehung ist wichtiger als Organisation.
– „Menschen lieben“ kommt vor „Veranstaltungen planen“.

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