0: Sind Gebote nicht lästig?

Warum Gebote? Wir sind doch nicht mehr in der Schule und jeder soll tun und lassen dürfen was er will!

Ich unterscheide zwischen zwei Arten von Geboten:

Zum einen sind das die Spielverderbergebote. Nachts auf einem Kinderspielplatz herumzutollen ist lustig. Wenn dann ein Securitas-Wachmann mit seiner Taschenlampe und strenger Stimme für Ruhe sorgt, ist das ärgerlich. Ist Gott solch ein Spielverderber, der verbietet, was Spass macht?

Zum anderen sind das die Lebensrettergebote. Wenn der Bergführer befiehlt, dass auf der ganzen Skitour das Lawinensuchgerät eingeschaltet bleiben muss, dann ist er kein Spielverderber. Es ist leicht zu erkennen, dass dieses Gebot das Leben retten kann. Sind die 10 Gebote, solche Lebensretter, die uns davor bewahren dass wir ins Chaos abgleiten?

Wie denkst du über die 10 Gebote? Spielverderber oder Lebensretter?

Ob ich die 10 Gebote als Spielverderber oder als Lebensretter empfinde, tut zuerst einmal nichts zur Sache. Wichtiger ist die Absicht des Schreibers. Wozu wurden die 10 Gebote aufgeschrieben? Zum spielverderben oder lebenretten?

Die Antwort auf diese Frage findet sich ganz offensichtlich im Bibeltext. Wenn wir nämlich das Kapitel mit den 10 Geboten von Beginn weg lesen, steht da: „Ich bin der Herr dein Gott, der ich dich aus Aegyptenland aus der Knechtschaft, geführt habe.“

Die 10 Gebote wurden einem Volk anvertraut, das soeben aus dem Sklavendienst befreit wurde. Ihr Ziel ist es, die Freiheit zu bewahren und nicht in eine neue Knechtschaft zu führen.

Die Absicht der 10 Gebote ist es, die Freiheit zu erhalten. Diese Grundhaltung muss auch unser Denken über die 10 Gebote prägen. Ich frage mich deshalb bei jedem Gebot, was denn jetzt das Befreiende daran ist. Bei manchen Geboten ist das offensichtlich. In einer Gesellschaft, in der „du sollst nicht töten“ nichts gilt, leben die Menschen in Angst und Schrecken.

Bei anderen Geboten ist das Befreiende auf den ersten Blick nicht zu sehen. So zum Beispiel beim ersten Gebot: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!“ (2. Mose 20.3). Klingt doch eher nach Einschränkung als nach Befreiung – oder?

Und übrigens…

Heute hatte ich Lust auf Salami – und auf Tee. So erfand ich, wohl als Weltneuheit, den Salamitee:

Hier mein Geheimrezept:

1. Man nehme einen Beutel Pfefferminztee.

2. Man löse die Schnur mit dem kleinen Zettelchen vorsichtig vom Teebeutel.

3. Man befestige die Schnur an einem Salamirad.

4. Ins heisse Wasser tauchen – und geniessen…

Eigentlich ganz einfach, probiers mal aus! Mein Salamitee wird bestimmt das Trendgetränk für diesen Sommer. Kann mir jemand sagen, wie ich das mit dem Markenrechten machen soll, damit nicht plötzlich jemand anders mit dieser Idee das Geld macht?

PS: Soeben habe ich noch einen Einfall: Eiswürfeltee – ich könnte ein Teezettelchen an einem Eiswürfel befestigen…

Mein Salami-Tee kommt nicht gut an. Meine ersten Testkunden fanden es eine schlechte Idee und sagten, sie würden nie wieder Salami-Tee trinken. Ich denke, dass es an der Vermarktung liegt. Mit der richtigen Werbestrategie wird mein Salami-Tee sicher ein Renner!

Hier ein Vorabdruck unserer Plakatkampagne, mit der wir den europäischen Markt für Heissgetränke erobern wollen:

Oder warum sollte Salamitee eine schlechtere Ideee sein als Prosecco in Aludosen?

Trotz verheissungsvoller Plakatkampagne schafft es mein Salami-Tee Projekt nicht, die Erfolgsschwelle zu überwinden. Was läuft schief? Ist der Markennamen nicht griffig genug? Habe ich zuwenig in die Werbung investiert? Oder ist Paris Hilton als Werbeträgerin nicht vertrauenswürdig genug? Soll ich Roger Federer anfragen?Ich glaube, dass der Salami-Tee aus einem anderen Grund floppt: Er schmeckt scheusslich! Es ist einfach keine gute Idee, ein Salamirad ins heisse Wasser zu tauchen. Daran ändert auch die beste Werbekampagne nichts.

Und nun zur Moral von der Geschicht: Wir betrachten Werte und Normen als Verhandlungssache. Eine Sache ist deswegen richtig, weil die meisten sie für richtig halten. Wir trinken deshalb lieber Schwarztee als Salamitee, weil wir es nicht anders gewohnt sind. Es könnte auch ganz anders sein. In der Gesellschaft der Salamitee-Trinker wäre der Schwarztee-Liebhaber der Aussenseiter. Die Frage ist nun, ob es Werte gibt, die nicht verhandelbar sind. Die eine Richtigkeit in sich tragen, unabhängig davon, ob sie damit eine Mehrheit finden.

Diese Frage stelle ich an die 10 Gebote aus dem zweiten Mosesbuch. Tragen diese Normen in sich einen Wert, der nicht verhandelbar ist? Der stimmt, auch wenn die Meute anders heult.

Ein Kommentar zu “0: Sind Gebote nicht lästig?

  1. Auso die Idee mitem Salamitee…. chah nume womene Schwiizerdütsche choh!!! ;)

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