Oleander-Experiment 1

Jesus hat Humor! Sagt er doch in Matthäus 17.20:
„Selbst wenn euer Glaube nur so gross ist wie ein Senfkorn, könnt ihr zu diesem Berg sagen: ‚Rücke von hier nach dort!‘, und er wird dorthin rücken. Nichts wird euch unmöglich sein.“

Ich stelle mir die Gesichter seiner Freunde vor. Simon war begeisterungsfähig und stellte sich sicher schon vor, wie er als Superman in Stadien auftritt. Judas, der die gemeinsame Kasse verwaltete, sah sich schon als Geschäftsführer eines Baggerunternehmens. Thomas, der Zweifler, überlegte sich wohin denn diese Berge hinsollten, damit nicht plötzlich ganze Dörfer von verschobenen Bergen erdrückt würden.

Und das war erst der Anfang. Der Glaube, der Berge versetzt ist ein Thema, das Menschen aus allen Zeiten und Regionen herausfordert.

Oder warum bauen wir Schweizer für Milliarden Franken Tunnel in die Berge, wenn es doch eine viel einfachere Lösung gäbe?

Das Oleander-Experiment

Ich will die Glaubensstärke meiner Blog-Leserschaft testen. Nur durch Glauben einen Berg zu versetzen ist eine grosse Sache. Fangen wir mit etwas einfacherem an.

An meinem Fenster steht ein Oleander. Wer er schafft, innerhalb von 7 Tagen mit reiner Glaubenskraft eine Blüte wachsen zu lassen, erhält den Titel: Glaubensheld/in 2006

Soeben habe ich meinen Oleander gegossen, es geht ihm ausgezeichnet! Die aussichtsreichste Stelle, an der eine Blüte entstehen könnte, habe ich mit diesem Bild festgehalten:

Vor sieben Tagen startete ich ein Experiment. Wer es durch reine Glaubensstärke schafft, dass meinem Oleander eine Blüte wächst, hat gewonnen.

Das Resultat ist eindeutig. Ihr habt alle versagt. Niemand besass genug Glauben. Ihr seid alle kleingläubig!

Wenn wir also über das Zitat von Jesus:
„Selbst wenn euer Glaube nur so gross ist wie ein Senfkorn, könnt ihr zu diesem Berg sagen: ‚Rücke von hier nach dort!‘, und er wird dorthin rücken. Nichts wird euch unmöglich sein.“ (Matthäus 17.20)
sprechen, dann ist klar, dass von uns niemand solchen Glauben hat.

Was aber hat Jesus nun damit gemeint?

Warum erzählt er uns Dinge, die in der Praxis sowieso nicht funktionieren?

Das Oleander-Urteil war klar: Wir sind alle kleingläubig!

Warum spricht also jetzt Jesus davon, dass wir auch schon mit einem mickrig kleinen Glauben Berge versetzen können?

Auf Deutsch heisst Glauben, dass ich etwas für wahr halte. Ich glaube dass der Zug um 12.02 losfährt. Ich glaube, dass Wasser um die 0° gefriert und dass die Schweiz Fussballweltmeister wird.

Das Neue Testament wurde auf Griechisch geschrieben. In dieser Sprache ist die Bedeutung des Wortes, das hier mit Glauben übersetzt ist, reichhaltiger. Es beinhaltet neben Glauben auch Vertrauen, Treue und Zuverlässigkeit.

Wenn Jesus von Glauben spricht, meint er also nicht nur ein theoretisches „im-Kopf-für-wahr-halten“. Ob ein Bungee-Seil mein Gewicht aushält kann ich im Kopf glauben. Vertrauen heisst dann aber, dass ich mich mit dem Seil in die Tiefe stürze und darauf vertraue, dass es hält.

Viel Glauben zeigt sich also nicht im Kopf, sondern im Leben.
Es ist etwas anderes, ob ich einen Oleander zum Blühen bringen will, oder ob ich in meinem meinem Leben vor einem unlösbaren Problem stehe.

Jesus will kein Spektakel, aber er fordert uns heraus ihm zu vertrauen.

Glaube hat mehr mit Vertrauen zu tun, als mit „für-wahr-halten“.

Beim „für-wahr-halten“ ist der Schwerpunkt bei mir. In dem Sinne wäre also der Glaube eine Anstrengung, die ich mache. Ein grosser Glaube hätte demnach jemand, der darin besonders stark ist.

Beim Vertrauen ist der Schwerpunkt dort, wo ich mein Vertrauen drauf setze. Wesentlich ist hier, dass die Sache, wo ich mein Vertrauen drauf setze, gross, stark und vertrauenswürdig ist.

Wenn Jesus vom Glauben der Berge versetzt spricht, fragt er uns damit:
„An was für einen Gott glaubst du eigentlich?“

An einen, dem nichts unmöglich ist?
An einen, der Wunder tun kann?
An einen, der Berge versetzen kann?

Der Spruch von Jesus über den Glauben, der Berge versetzt, ist eigentlich eine Antwort auf ein Problem seiner Freunde. Sie waren im Kampf zwischen Licht und Finsternis unterlegen. Jesus ist das Licht, vor ihm muss die Finsternis fliehen. Der Wunsch der Freunde war genau derselbe, wie es Jesus seiner war.

Bei mir und Gott ist es so, dass er der Stärkere ist. Ihm ist nichts unmöglich, er kann tatsächlich Berge versetzen. Wenn ich also auf etwas vertraue, das im Einklang mit Gottes Willen ist, dann wird wahr, was Jesus sagt, dann müssen sogar Berge weichen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*