Zur Hochzeit

Ein paar Gedanken übers Heiraten (geschrieben in der Zeit um meine eigene Hochzeit im Juni 2007)

Den ersten wirst du vielleicht nicht so ganz verstehen, es ist ein ganz persönlicher. Seit ich Psalm 19 im Hebräisch-Unterricht selber übersetzt habe ist mir ein Abschntt daraus ein Rätsel geblieben. Es sind die Verse 5+6: „Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, zu laufen ihre Bahn.“

Zum einen ist da ein Problem in der Grammatik. Der Bräutigam ist männlich und die Sonne ist weiblich. Im Hebräischen haben die beiden dasselbe Geschlecht. „Sie“ ist wie „er“ und geht aus „seiner/ihrer“ Kammer hinaus… Jede Übersetzung ist ein Murks. Deswegen ist mir der Vers wohl auch in Erinnerung geblieben.

Interessant war, dass gerade diese Bibelstelle mir am Morgen meines Hochzeitstages in den Sinn gekommen ist. Ich zog meinen Heiratsanzug an und machte mich chic fürs heiraten. Bevor ich die Tür öffnete um den ersten Menschen zu begegnen fragte ich mich, was das jetzt für ein Gefühl ist? Dieses als Bräutigam aus der Kammer treten?

Ehrlich gesagt, es blieb für mich ein Rätsel. Es fühlte sich in diesem Moment gar nicht besonders an, als Bräutigam aus der Kammer zu treten. Was mit diesem Bibeltext gemeint ist, wird mir wohl weiterhin schleierhaft bleiben…

Aus meiner Traupredigt ist mir trotz meiner Nervosität folgendes in Erinnerung geblieben: Es gibt vier Arten, eine Ehe zu führen. 1. Gegeneinander 2. Nebeneinander 3. Miteinander 4. Füreinander

Der Höhepunkt meiner Hochzeit war ohne Zweifel die Braut. Unvergesslich die Stimmung kurz bevor sie die Kirche betrat. Alle sind interessiert und warten gespannt darauf, dass es losgeht. Dann die Musik, die Leute stehen auf und die Braut betritt den Kirchengang – was für ein Auftritt!

Eine ganz ähnliche Stimmung herrscht, als Johannes in den Himmel entrückt wird. Dort sieht er Dinge, die kaum zu beschreiben sind. Im letzten Buch der Bibel hat er versucht diese Vision aufzuschreiben. In Offenbarung 21.9 kommt ein Engel zu Johannes und sagt zu ihm: „Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes!“

Was der Höhepunkt jeder Hochzeit ist, das ist auch der Höhepunkt der Offenbarung: Der Auftritt der Braut! Im Textzusammenhang wird klar, dass mit der Braut wir Menschen gemeint sind, die Gottes Liebe erwidern. Im Zentrum stehen also wir – du und ich. Gewöhnliche Menschen, die von Gott aussergewöhnlich geliebt werden! Die wichtigste Botschaft der Offenbarung ist die, dass Gott Menschen unendlich liebt

Die Bibel braucht viele Bilder, wenn sie von der Beziehung von Gott zu Mensch spricht. Der gute Hirte und die Schafe, Vater und Kind, Weinstock und Reben. Eines dieser Bilder hat mit Ehe zu tun: „Ein Mann verlässt Vater und Mutter und verbindet sich so eng mit seiner Frau, dass die beiden Eins werden mit Leib und Seele. Das ist ein grosses Geheimnis. Ich deute dieses Wort auf die Verbindung zwischen Christus und der Gemeinde.“ (Epheser 5.31+32)

Dieser Text ist doppelt tröstlich:

Zum einen, weil es ein enorm starker Ausdruck von Gottes Liebe gegenüber uns Menschen ist.

Zum anderen, weil er die Frage, wie Mann und Frau miteinander auskommen, abschliessend beantwortet: Es ist ein grosses Geheimnis…

Hochzeitschancen:

Mathematisch gesehen stehen die Chancen, dass wir beide „Ja“ sagen bei 25% (NEIN/NEIN = 25%, JA/NEIN = 25%, NEIN/JA = 25%, JA/JA = 25%).

Biblisch gesehen stehen die Chancen bei 150%. In 2. Mose 2.24 steht über die Ehe: „…dass die beiden eins sind mit Leib und Seele.“ Es sind also zwei Einzelpersonen, die jeweils 50% ausmachen. Mit der Beziehung der Beiden entsteht etwas Neues, eine Einheit. Wenn wir diese Einheit mit 50% berechnen sind wir bei 150%. Alles klar?

Ein oft gewählter Trauvers ist Prediger 4.12: „Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.“

Als ich zum letzten Mal eine Traupredigt zu diesem Vers hielt, betonte ich, dass das dritte Seil in der Schnur Gott ist. Wenn die Partner voneinander alles erwarten, werden sie sich gegenseitig enttäuschen. Menschen sind unvollkommen.

Sind sich beide Partner ihrer Grenzen bewusst und bitten Gott um seinen Beistand, sieht das anders aus. Sie erwarten alles von Gott und sind bereit die gegenseitige Unvollkommenheit zu ertragen.

PS: Hochzeitsmathematisch öffnet dieser Vers eine weitere Dimension. Im letzten Beitrag rechnete ich vor, dass zwei mal 50% mehr als 100% ergibt. Nun kommt noch Gott dazu. Was für eine Prozentzahl geben wir ihm? Unendlich?

Ein weiterer beliebter Text für Traupredigten steht im 1. Korintherbrief, Kapitel 13:

„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“

Gibt es eine treffendere Definition von Liebe?

Ein weiterer super beliebter Trautext steht in 1.Korinther 13.13: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Glaube heisst vertrauen auf etwas, das man nicht sieht. Für die Ehe heisst das, dass ich nicht auf das schaue, was der andere ist, sondern auf das, was aus ihm werden kann.

Hoffnung ist die Gewissheit, dass der kommende Tag die bisherigen noch übertreffen kann. Für die Ehe heisst das, dass ich von der Zukunft unserer Beziehung erwarte, dass sie die Vergangenheit jederzeit noch überbieten kann. Beziehung in der Gewissheit leben, dass das Beste erst noch kommt.

Liebe ist das sich selbst dem anderen verschenken. Für die Ehe heisst das, dass die Frage nach dem Glück des anderen vor der Frage nach dem eigenen Glück kommt.

Und noch ein Trautext: „Die Hoffnung enttäuscht uns nicht, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist.“ (Römer 5.5)

Als Einstieg in die Predigt sagte ich ungefähr folgendes:
„Die Hoffnung passt super zum heutigen Tag. Die Braut hofft, dass die Ringübergabe gut klappt und der Bräutigam, dass es beim Apéro genügend zu Essen hat. Es gibt aber auch Hoffnungen, die über diesen Tag hinaus gehen. Die Hoffnung auf eine tolle Ehe. Auf eine Liebe, die immer weiter wächst. Die Hoffnung darauf, dass das Brautpaar eines Tages zufrieden auf dem Bänkli vor dem Altersheim sitzt und gerne auf den gemeinsamen Lebensweg zurückschaut. Stellen wir uns den Bräutigam mit Zipfelkappe und Tabakpfeiffe vor, die Braut mit „Bürzi“ und einer „Lismete“. Stellen wir uns vor, wie die Braut zu ihrem liebsten sagt: „Weisst du was? Ich habe dich mit jedem Jahr lieber!“ Darauf antwortet der Bräutigam: „Was hast du gesagt? Du musst lauter reden!“

Der Bibeltext spricht davon, dass uns die Hoffnung nicht enttäuschen wird. Ist dass ein schöner Traum? Oder kann das Wirklichkeit werden?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*