7: Liebe

Was ist dein Traum von Liebe? Beginnt er auch mit süssem Lächeln und roten Rosen bei einem Abendessen im Sonnenuntergang? Oder ist es bei dir die zufällige Begegnung im Zug, aus der eine Liebesbeziehung wird? Oder die Einladung zum Automatenkaffee in der Arbeitspause, die sich zur festen Romanze entwickelt?

Was ist dein Traum von der perfekten Liebesbeziehung?

Stoff um von der ganz grossen Liebe zu Träumen haben wir genug. Angefangen von den Märchen, in denen der Prinz endlich die Prinzessin küsst, bis zu den aktuellsten Kinofilmen, die mit Happy-End unsere romantischen Gefühle bedienen. Schöne süsse Träume vom Glück zu zweit.

Ausserhalb der Märchen- und Kinowelt scheint aber ein anderer Wind zu wehen: Süsse Träume werden im Licht des fahlen Alltags zu bitteren Pillen. Verliebte geraten in der Hektik des Zusammenlebens derart aneinander, dass oft schon nach kurzer Zeit die Fetzen fliegen. Beziehungen scheitern, Hoffnungen werden enttäuscht und rosarote Traumwolken zerbröseln an der Frage, wer den Müll nach draussen bringt.

Warum dieser Graben zwischen unseren Wunschvorstellungen und der gelebten Realität? Was machen wir falsch? Gibt es einen Ausweg? Können langfristige von echter Liebe getragene Beziehungen gelingen?

Wer erfahren hat, was es heisst geliebt zu werden, weiss eines sicher: Das ist so schön, dass es nie mehr aufhören soll! Doch wie bringe ich meinen Partner dazu nie damit aufzuhören mich zu lieben? Geldgeschenke? Zwang? Oder dann doch diese chinesische Pille, die den Willen kontrolliert?

Diese Gedanken führen zu einer grundlegenden Wahrheit: Ich kann niemanden dazu bringen, mich zu lieben. Daraus folgt, dass ich bei mir selbst anfangen muss, wenn ich in Liebesdingen etwas erreichen will. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Wir Menschen funktionieren naturgemäss andersherum. Wenn die Liebe erlischt, beginnen wir mit den Reparaturen am Partner. Der andere ist schuld! Er muss sich ändern! Wenn er nur, dann….!

Das siebte von den Zehn Geboten spricht Beziehungen an. Es heisst da aber „du sollst…“ und nicht „dein Partner soll….“. Das Wohl und Weh deiner Liebesabenteuer hängt also zu einem guten Stück von dir selbst ab. Wenn du eine dauerhafte und von Liebe getragene Beziehung aufbauen willst, dann musst du dich zuerst zu einer liebesfähigen Person entwickeln, bevor du das von deinem Partner erwarten kannst.

Doch was genau bedeutet liebesfähig? Die Antwort ist leicht zu finden. Überlege dir, was du dir von einem Partner wünschst. Wenn du diese Eigenschaften in deinem Leben entwickelst, dann bist du gut vorbereitet fürs Abenteuer Liebe.

Der Wortlaut des siebten Gebots kratzt in den Ohren. Es klingt nach Moral, ausgestreckten Zeigefingern und lieblosen Blicken. Nicht gerade ein Thema, dass man an einer Party locker in die Runde wirft: „Und du, wie hast du es mit dem Ehebruch?“

Trotzdem glaube ich, dass es sich lohnt einen zweiten Blick auf dieses Gebot zu werfen. Da ist mehr dran als trockenes Moralin. Klarer wird der Sinn des Gebots, wenn ich versuche den Inhalt positiv auszudrücken. Also nicht mit „du sollst nicht“ sondern mit „du sollst“ beginnen. Das könnte zum Beispiel so klingen:

Du sollst dich ganz in deine grosse Liebe investieren!

Du sollst keine halben Sachen machen!

Du sollst deinen Partner nicht aufgeben!

Du sollst die Probleme anpacken, anstatt vor ihnen zu fliehen.

Du sollst die Hoffnung nicht verlieren!

Oder wie würdest du dieses Gebot positiv formulieren?

Was Autos von Menschen unterscheidet

Da gibt es einen Unterschied zwischen dem Kauf eines Autos und dem Start einer Beziehung. Ein Auto ist ein Gegenstand, der mit der Zeit Kratzer, Rost, Beulen und technische Defekte aufweisen wird. Beim Kauf eines Autos ist es darum wichtig, herauszufinden, wieviel Defekte schon da sind, und was an Reparaturen noch zu erwarten ist. Wer keinen Schrott kaufen will, macht eine Probefahrt und schaut dem Fahrzeug gründlich unter die Motorhaube. In so gutem Zustand, wie beim Kauf, wird das Fahrzeug nie mehr sein.

Wer eine Beziehung startet, hat es im Gegensatz zu einem Auto mit einem lebendigen Wesen zu tun. Ebenso wie beim Auto, wird sich die Person verändern. Aber diese Veränderung ist kein langsamer Zerfall, sondern ein „reicher-werden“. Menschen können, lernen, wachsen, dazugewinnen, einen breiteren Horizont erhalten und bis ins hohe Alter an Reife und Weisheit zunehmen. Wer sich auf eine Beziehung mit einem Menschen einlässt, den erwarten eine Menge Überraschungen. Niemand kann voraussagen, wie sich der Partner in fünf, zehn, oder gar fünfzig Jahren verhalten wird. Eine Beziehung, die jetzt in der Krise steckt, kann in einigen Jahren wunderschön sein. Eine Differenz die jetzt unüberwindbar scheint, kann mit zunehmender Reife die Beziehung beleben und interessant machen. Im Gegensatz zu einem Autokauf, kann kein Mensch wissen, auf was er sich beim Start einer Beziehung einlässt. Es ist eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten. Darum macht eine Probefahrt keinen Sinn. Wer kann ausprobieren, was in Zukunft sein wird?

Beziehungsolympiade

Das Paarungsverhalten der Menschen in der westlichen Welt orientiert sich an den Wertmassstäben der olympischen Wettkämpfe: Schneller, weiter, höher und besser. Den Titel „Partner/in“ erhält die Person, die in verschiedenen Wettbewerben am Besten abschneidet. Nur die Disziplinen sind in diesem Partnerbewertungswettkampf anders als bei Olympia. Statt „100 Meter Freistil“ heisst es dann „Anzahl Freunde auf Facebook“. Statt „Stabhochsprung“ heisst es „Höhe des Kontostandes“. Oder statt „Ringen“ „Bettakrobatik“.

Im krassen Gegensatz dazu steht die Liebe, die Jesus gelebt hat. Wenn er einem kranken Menschen geholfen hat, dann hat er nicht zuerst einen Wettbewerb veranstaltet. Nein, er hat geliebt, ohne vorher eine Leistung zu erwarten. Bedingungslos.

Sex ist gut!

Die Bibel startet mit der Erschaffung der Welt und der Menschen. Gott schuf die Menschen als Mann und Frau; als sexuelle Wesen mit empfindlicher Haut, duftenden Haaren, turbulenten Hormonen, die Frauen mit einer Vagina und die Männer mit einem Penis. „Dann betrachtete Gott alles, was er geschaffen hatte, und es war sehr gut!“ So stehts im ersten Mosesbuch 1.31 geschrieben. Gott hat Sex erschaffen und er findet es eine gute Sache!

Aber warum klappts denn mit dem Sex nicht immer reibungslos? Warum die Beziehungsstreitereien, die Eifersucht, das Besitzergreifende, das Verletzende und den Missbrauch? Die Erklärung gibt die Bibel selbst im dritten Kapitel des ersten Mosesbuches. Dort lösen sich die Menschen aus der engen Gemeinschaft mit Gott und machen Bekanntschaft mit der Schattenseite der Schöpfung. Da ist das Finstere, Chaotische und Zerstörerische, das Besitz von Gottes guter Schöpfung ergreift und seinen Schatten über alles wirft. Selbst Gottes gute Gabe der Sexualität wird seither von Menschen kaputt gemacht und missbraucht. Was Einheit schaffen sollte, benutzen Menschen um zu trennen. Was Ausdruck von Liebe sein sollte, benutzen Menschen um Macht auszuüben. Und wo Verletzlichkeit aufgehoben sein sollte, bringen Menschen Schmerz und Angst hinein.

Wenn ich Sex als gut, erfüllend, bereichernd, lustvoll und schön erleben will, dann muss ich zurück zum Anfang. Zu dem was Gott sich dabei gedacht hat, als er die Menschen als sexuelle Wesen erschaffen hat.

Was hat sich Gott beim Sex gedacht?

Ja, Sex dient dazu, dass Babys gezeugt werden. Aber da ist noch mehr dran. Das „seid fruchtbar und mehret euch“ aus 1. Mose 1.28 ist nicht alles, was die Bibel zur Sexualität zu sagen hat. Ein markantes Wort zum Thema steht zum Beispiel im Kapitel 2, Vers 18 desselben Buches: „Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ Die doppelte Ausführung der Menschen als Mann und Frau hat also noch einen viel tieferen Sinn als die blosse Fortpflanzung. Sie ist Gottes Antwort auf die menschliche Einsamkeit.

Sex verbindet. Nacktheit schafft Vertrautheit. Was ich normalerweise unter den Kleidern verstecke, teile ich mit einer besonderen Person. Ich öffne mich, mache mich verletzlich und vertraue einen Teil meines Innersten dem anderen an. Intimität ist ein Klebstoff der zwei Seelen miteinander verbindet.

Diesen Umstand beschreibt die Bibel im 1. Mose 2.24: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden“ der hebräische Begriff der hier mit dem Wort „anhängen“ übersetzt ist, beschreibt eine sehr starke Verbindung. „Verklebt“ oder „verleimt“ wären auch taugliche Übersetzungen. Und mit „einem Fleisch“ ist nicht nur die körperliche Seite, sondern auch die seelische gemeint. In einer von Liebe getragenen Beziehung wirkt Sex wie Sekundenkleber. Es entsteht eine enge Verbindung von Leib und Seele.

Darum auch das siebte Gebot. Sex soll Menschen verbinden und nicht trennen!

Und Spass machen soll Sex auch. Lustvoll, geniesserisch, überschwänglich, humorvoll, schweisstreibend, abenteuerlich, zärtlich, kribbelnd, spannend und endlos schön soll er sein. So ist Sexualität im Hohelied, dem erotischsten Buch der Bibel beschrieben. Selber drin lesen lohnt sich – zum Beispiel hier.

Ehe ist eine Baustelle

An einer Hochzeit tragen die Leute saubere Kleider, sind mit Blumen geschmückt und lächeln. Auch die Umgebung wird geschmückt. Tische werden mit Tüchern bedeckt und mit Glitzerwerk dekoriert. Sogar der Hund kriegt eine rosa Schleife ans Halsband. Dieses romantische Drumherum passt eigentlich gar nicht zum Anlass. Wenn zwei Menschen eine Ehe schliessen, dann zeigen sie damit ihren Willen, das Leben gemeinsam anzupacken. Anpacken hat mit Arbeit, Einsatz, Durchhaltevermögen und nicht zuletzt auch mit Schweiss zu tun. Die Hochzeit ist nicht das „Glück“, sondern der Start zu einer Abenteuerreise an deren Wegrand sich das Glück finden lässt. Wer den Focus zu stark aufs Glück und nicht auf die Abenteuer fixiert, kann leicht enttäsucht sein. Im Alltag laufen Hunde auch nicht mit rosa Halsbändern herum.

Darum mein Alternativvorschlag für ein passendes Ambiente zu einer Hochzeit: Das Ehepaar trägt Arbeitskleidung. Schuhe mit gutem Profil und Stahlkappen. Hosen und Hemd aus reissfestem Stoff und auf dem Kopf ein Bauhelm. Statt in einer Kirche findet die Trauung auf einer Baustelle statt. Und statt dem Ringetausch muss das Brautpaar gemeinsam einen Betonpfeiler giessen.

Der Superman-Komplex

„Wenn ich den richtigen Partner gefunden habe, dann wirds schon klappen mit der Beziehung.“ Diesen Satz bezeichne ich als den Superman-Komplex. Ihm zugrunde liegt die Annahme, dass eine gute Beziehung ein Glücksfall ist, der einem einfach so in den Schoss fällt. Wenn ich auf die perfekte Person treffe, dann stellt sich das Beziehungsglück automatisch ein. Mit Superman/woman könnte ich glücklich werden, nur dumm dass ich ihm oder ihr noch nicht begegnet bin.

Die Heilung vom Superman-Komplex gelingt am ehesten durch die einfache Erkenntnis, dass Superman eine Comic-Figur ist, die in Wirklichkeit nicht existiert. Wer eine Beziehung eingehen will, muss sich mit einen normalen Menschen begnügen. Ohne Superkräfte und rotes Cape. Dafür mit echten Emotionen, liebenswürdigen Schwächen und vielen Überraschungen.

Ist die Ehe ein sicherer Hafen?

Diese Redewendung von der Ehe als sicherem Hafen finde ich doof. Sie beschreibt ein langweiliges Angebundensein im Hafenbecken. Dümpeln auf gezähmten Wellen und modergeruch von toten Fischen. Kein Wunder versucht da jeder auszubrechen.

Die Ehe darf kein sicherer Hafen werden. Kein vorhersehbarer Alltag, keine Ämtlipläne und keine Gefühle auf Abruf. Menschen lassen sich nicht anbinden. Sie sind nicht für den Hafen, sondern für das offene Meer geschaffen. Darum würde ich die Ehe eher mit einer Abenteuerkreuzfahrt durch piratenverseuchte Gewässer vergleichen. Zwei Menschen, die gemeinsam vorwärts gehen, sich dem Leben stellen, aktiv aufeinander zugehen und innerlich in einem dauerhaft revolutionären Zustand sind. Jeden Tag ein neues Abenteuer. Atemberaubend!

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