Man kann nicht ewig Urlaub machen!

Luke Pittard aus Cardiff hat im Lotto gewonnen. So richtig viel Geld – genügend um nicht mehr arbeiten zu müssen. Doch schon bald wurde ihm langweilig und er ging zurück zu seinem alten Arbeitsplatz: Hamburger verkaufen. Sein Kommentar dazu: “Man kann doch, ehrlich gesagt, nicht ewig Urlaub machen.”

Recht hat er. Arbeit gehört zu einem erfüllten Leben. Ein Lebensstil, wie ihn der Kater Garfield pflegt, macht auf Dauer unglücklich.

Unser Verhältnis zu Arbeit ist das Thema des vierten Gebotes. Hier der Wortlaut, wie er im zweiten Mosesbuch, Kapitel 20 steht: “Achte den Sabbat, als einen Tag, der mir allein geweiht ist! Sechs Tage sollst du deine Arbeit verrichten, aber der siebte Tag ist ein Ruhetag, der mir, dem Herrn, deinem Gott gehört. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, weder du noch deine Kinder, weder dein Knecht noch deine Magd, auch nicht deine Tiere oder der Fremde, der bei dir lebt.”

“Wir leben nicht um zu arbeiten – wir arbeiten um zu leben!” Dieser beliebte Spruch ist doof. Er sagt aus, dass Arbeit ein notwendiges Übel ist, das wir möglichst schnell erledigen müssen, um dann das wahre Leben zu geniessen. Wer das dritte Kapitel des ersten Mosesbuches oberflächlich liest könnte zu diesem Schluss kommen. Adam und Eva genossen das schöne Leben im Paradies, und nach dem Sündenfall mussten sie zur Strafe arbeiten. Wenn wir aber die Verse 17-19 in diesem Kapitel genau lesen, steht da nichts davon, dass die Arbeit die Strafe ist. Der Fluch ist die Mühsal bei der Arbeit und nicht die Arbeit selbst.

Eine sinnvolle Arbeit, die mich angemessen fordert und bei der ich mich kreativ einbringen kann ist besser, als das blosse herumhängen – Arbeit erfüllt und macht Spass! Wäre es nicht grossartig, wenn jeder Mensch eine Arbeit hat, die zu ihm passt und die er gerne macht?

In den ersten Zeilen der Bibel ist beschrieben, wie Gott die Erde schuf: Licht von der Dunkelheit scheiden, Wassermassen dirigieren, Blumen und Bäume konstruieren, Tiere zum Leben erwecken und darauf achten, dass sich nicht alle gleichzeitig auffressen – eine spannendere Arbeit, als die Welt zu erschaffen, kann ich mir nicht vorstellen. Kann es etwas Besseres geben?

Ja, es gibt etwas Besseres. Nach sechs Tagen harter Arbeit kommt der siebte Tag. Jetzt wird zurückgelehnt und gefeiert. Auf jede Arbeit muss eine Pause kommen. Das ist es, was uns Menschen vom Zahnrad unterscheidet.

Wer nonstop arbeitet und sich keine Pause gönnt, gibt durch sein Handeln eine Botschaft weiter. Sie lautet: ”Ich werde gebraucht. Ich bin wichtig. Ich bin unersetzlich. Wenn ich nicht da bin, geht die Welt unter.”

Wer sich keine Pause nimmt, der nimmt sich selbst zu wichtig. Wer glaubt, dass die Welt ohne ihn nicht mehr weiter dreht, der hält sich offensichtlich für Gott.

Entspannen an einem freien Tag bedeutet für jeden etwas anderes. Wer die ganze Woche Bäume gefällt hat, der findet es spannend, am Wochenende “Panini-Bildli” einzukleben. Und wer die ganze Zeit am Computer sitzt, geniesst die Freizeit mit einem Waldspaziergang. Es wäre also unsinnig, das Sabbatgebot auf eine Liste mit vielen “du darfst” und “du darfst nicht” zu reduzieren. Jesus hat das auch nicht gemacht. Im Markusevangelium 2.27 sagt er: “Der Sabbat wurde doch für den Menschen geschaffen, und nicht der Mensch für den Sabbat!”

Das ist auch das Kriterium, das entscheidet, was eine Pause ist: “Alles, was mir gut tut!”

Darf man am Sonntag den Rasen mähen?

Darf man am Sonntag einen Nagel einschlagen?

Darf man am Sonntag eine Bergtour machen?

Darf man am Sonntag lärmen?

Darf man am Sonntag rasieren?

Darf man am Sonntag ein Kind wickeln?

Darf man am Sonntag ein Kind zeugen?

Diese “darf man?”-Fragen riechen nach pingeliger Gesetzlichkeit. Wer genau wissen will, mit welchem Schritt er Gott böse macht, hat etwas Grundlegendes nicht verstanden. Die 10 Gebote sind nicht 10 Tricks, wie ich einen zornigen Gott gütig stimmen kann. Gott ist Gnade und in Jesus hat er sie uns Menschen zugänglich gemacht. Es geht nicht um Gott, sondern es geht um mich. Die Frage muss nicht mit “darf ich”, sondern mit “tut es mir gut, wenn ich” beginnen.

Erinnerst du dich an dein letztes Festessen? Ich schon: Zum Apéro gabs einen Prosecco mit einem Schuss Pfirsichsirup. Dann der gemischte Salat mit Hausdressing. Die Hauptspeise war ein besonderes Cordon-Bleu mit Lenker Blauschimmelkäse und zum Dessert gabs ein hausgemachtes Eis mit süssen Schnipseln irgendwas.

Erinnerst du dich an dein letztes geistliches Festessen? Ich schon: Zum Apéro gabs eine freundliche Begrüssung mit einem Schuss Fröhlichkeit. Dann eine gemischte Liedauswahl mit der Hausband. Dann zur Hauptspeise eine Begegnung mit Gott im Gebet. Als zweite Hauptspeise ein Gedanke über Gottes Gerechtigkeit, der mir immer noch nachhängt. Und zum Dessert ein lockeres Gespräch am Ausgang.

Mein letztes geistliches Festessen war ein gewöhnlicher Sonntag-Morgengottesdienst. Erhalten habe ich es in einer der unzähligen geistlichen Filialen auf Erden. Dieser Gedanke ist auch im 4. Gebot enthalten. Am Ruhetag soll ein Festessen auf dem Programm stehen.