Novemberstimmung

Auch die langen Nächte und der Nebel sind für etwas gut.

Der November ist nicht so beliebt. Am Abend wirds früh dunkel. Die Weihnachtslichter brennen noch nicht und die Nächte sind lang und finster. Am Tag ist es immer wieder neblig und feucht.

Die Novemberstimmung hat aber auch etwas Gutes. In meinen Augen lädt sie uns ein, dass wir zu uns selber kommen. Endlich müssen wir mal nicht fröhlich und aufgestellt sein, sondern haben Zeit um unseren melancholischen Gedanken nachzuhangen. Wir können traurig sein über die verpassten Chancen im Leben; mitleiden bei allem Elend, das in unserer Welt passiert; oder einfach mal in den Nebel hinausschauen und nicht auf alles eine Antwort haben.

Der November ist für mich der Monat, in dem wir die Harfen in die Bäume hängen und ans Flussufer sitzen um zu weinen.

Die Harfen in die Bäume hängen und am Flussufer weinen, diese Szene kommt aus dem Psalm 137 in der Bibel. Das ist das, was die Israeliten in einem fremden Land als Sklaven erleben mussten. Man zwang sie auf ihren Instrumenten fröhliche Lieder zu spielen. Dabei stand ihnen das Weinen zuvorderst. Darum sind sie in ihren freien Minuten ans Flussufer gegangen, hängten ihre Instrumente in die Bäume und weinten über ihr trauriges Schicksal.

Das ist so richtige Novemberstimmung. Diese Gefühle gehören zu unserem Leben und dürfen ihren Platz haben. Das wusste auch König Salomo. Er hat es so beschrieben: „Alles hat seine Zeit: weinen hat seine Zeit und lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit und tanzen hat seine Zeit.“

Wenn bei dir heute der Novemberblues angesagt ist, dann verzweifle nicht. Halte die Stimmung aus, nimm sie an, weine darüber und vertraue darauf, dass früher oder später auch wieder andere Zeiten kommen.

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4 Kommentare zu “Novemberstimmung

  1. Lieber Philipp, mir als Novembermüffeli hat der Text aus dem Herzen gesprochen! Danke.
    Der November scheint schlicht eine Verkettung unglücklicher Umstände zu sein: Das himmeltraurige Grau, das mich morgens unweigerlich zurück in die Federn drückt, diese bleierne Schwermut, mit welcher Sommerkinder wie ich während des sich anbahnenden Winters geschlagen sind und dann fährt einem noch ständig diese eisige Bise durch die Frise! Wie kann man da anders, als wunschlos unglücklich zu sein?

  2. Merci für den Kommentar! Mir kommt eine Parkbank in New Zealand in den Sinn. Dort stand eingraviert: „Sometimes I sits and thinks – and sometimes I just sits.“

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